WakeUp

Wir Muslime sind zu einem Volk der Mitte / der Balance gemacht in Betreff der Menschen zum Zeugnis. So sagt es der edle Qur’an. Und auch sagt er, dass wir die Mitte / die Balance nicht brechen dürfen.

Ich glaube kein Konzept ist so unverstanden bzw. missverstanden, wie das der Mitte / der Balance. Und wenn wir als Coach, Lehrer, Berater das Konzept nicht richtig begreifen und vorleben, was dann?

Nehmen wir zum Beispiel die „Farben“ Schwarz und Weiss. Man könnte denken, dass die Mitte von Schwarz und Weiss die „Farbe“ Grau ist, aber ist das auch tatsächlich so?

Die Mitte definiert sich durch zwei Seiten, wie sich auch die Balance über zwei Seiten bildet. Meine Frage an dich lautet? Wenn dem so ist, dass die Mitte bzw. die Balance zwei Seiten braucht, um sich zu bilden bzw. um sich zu zeigen, und wenn ich jetzt eine der beiden Seiten wegnehme, wie kommst du dann zur Mitte oder zur Balance??? Wenn es also nur die Farbe Weiss gäbe, wie und woraus bildest du dann die Mitte?

Alles ist in Paaren geschaffen, selbst das, wovon wir nicht wissen, – auch das sagt der edle Quran. Das erste, was mir mein Lehrer in Trinidad beibrachte, war, dass man die Ayat des edlen Qur’an nicht isoliert betrachten darf. Dass alles in Paaren geschaffen ist, hängt also aufs Engste mit der Mitte / der Balance zusammen. Mit anderen Worten: Wo immer wir einseitig denken, sehen, handeln brechen wir die Balance. Ist uns das klar? Ist uns das bewusst?

Wenn wir also in der Mitte bzw. in der Balance leben wollen, dann müssen wir immer gleichzeitig nach zwei Seiten schielen, ohne dabei zu einer Seite hin zu neigen bzw. uns von einer Seite weg zu neigen. Im Jargon der systematischen Fachsprache spricht man insoweit von der Neutralität bzw. Wertungsarmut des Beraters. Als Metapher könnte man sich einen ausgebreiteten Weg zur Quelle vorstellen, wie ja auch die Scharia umschrieben ist. Wir gehen auf dem ausgebreiteten Weg entlang, und nicht auf den Seitenrändern. Die Seitenränder sind „nur“ die Endmarkierungen rechts und links des Weges, – also die Stellen rechts und links des Weges, wo die Extreme beginnen. Die Mitte / Balance ist also gewissermaßen der ausgebreitete Raum der Ko-Existenz beider End-Seiten rechts und links des Weges. Auf das Beispiel der „Farben“ Schwarz und Weiss übertragen ist die Mitte daher nicht Grau, sondern: Weiss & Schwarz mit Schwarz & Weiss.

Und was nun muss Sheitan tun, um uns Muslime von der Mitte / der Balance abzulenken? Ja genau. Er muss dafür sorgen, dass wir nur noch „Schwarz“ oder „Weiss“ sehen. Oder er muss dafür sorgen, dass wir alles „Grau“ sehen. Der ausgebreitete Weg der Mitte ist also weder nur Weiss, noch nur Schwarz, noch ist er Grau. Der ausgebreitete Weg der Mitte ist VIELFALT.

Und „zufälligerweise“ wurde vor nicht allzu langer Zeit eine wissenschaftliche Entdeckung gemacht, – das sog. Mikrobiom.

 

Es besteht aus Milliarden von Mikroorganismen im Darm. Die mangelnde Vielfalt in den Darmbakterienstämmen dieses mikrobiellen Ökosystems soll verantwortlich sein für Autoimmunerkrankungen, den Fettstoffwechsel oder andere chronische Entzündungen. Auch für Diabetes und Arteriosklerose sehen Wissenschaftler im Schwinden der Vielfalt der Darmbakterienstämme den möglichen Auslöser. Sogar in Bezug auf Erkrankungen des Gehirns wie Autismus und Demenz wird jetzt das Mikrobiom erforscht. Studien haben auch gezeigt, dass Übergewicht damit zusammenhängt.

Und jetzt verstehen wir auch, dass der Darm das „zweite Gehirn“ genannt wird und dass auch hier die Regel von der o.g. Paarschaft gilt, d.h. weder sind Darm und Gehirn voneinander abgespalten, noch sind sie miteinander vermischt. Darm und Gehirn sind über den sog. Vagusnerv miteinander verbunden und durch denselben Vagusnnerv auch voneinander getrennt / unterschieden. Bei Mäusen hat man das Experiment gewagt und den Vagusnerv durchschnitten, sie starben sofort.

Die Mitte / Balance braucht also die Verbindung der beiden Seiten miteinander und sie braucht die Abgrenzung der beiden Seiten voneinander. So entsteht Dialog und im Dialog die Bildung der Ko-Exsitenz, – von Max Schupbach / WorldWork die Superposition genannt. Die Mitte /Balance ist kein statischer Zustand, sie ist ein fortwährender Prozess des Dialoges und der Ko-Existenz.

 

Dazu die Metapher vom Seiltänzer. Mit jedem Schritt, den der Seiltänzer macht, kommt er aus dem Gleichgewicht. Und gleichzeitig findet der Seiltänzer, mit jedem weiteren Schritt, den er macht, wieder in sein verlorenes Gleichgewicht zurück. So geht er auf dem Seil, ohne vom Seil zu fallen. Zu Beginn hat er eine Balance-Stange, die ihm hilft, sich im Hin und Her nicht zu verlieren. Am Ende geht er dann frei ohne Stange über das Seil.

Warum ich das alles schreibe:

Weil unsere geistige Gesundheit, die wir Muslime gut pflegen, das Gegengewicht in der körperlichen Gesundheit hat, die wir Muslime leider noch sehr ignorant behandeln. Dafür schreibe ich diesen Wake Up Call und dafür auch das Projekt NfM, damit jeder seine Balance haben kann. Inshallah. Denn von den Krankenkassen wird deine Balance nicht finanziert (Blog 5). Als Ummah sind wir ein Körper, sagt der Prophet saws. Und dieser Körper hinkt, wenn ein Bein lahmt.

 

Positiv betrachtet:

Synergie pdf

 

Zweiäugig gesehen:

Body & Soul

 

Das kranke Herz

Konsumdenken